Du sitzt gern hinterm Steuer, genießt die Freiheit auf der Straße und hast kein Problem damit, unterwegs zu sein? Dann könnte ein Fahrjob genau das Richtige für dich sein. Ob Menschen sicher von A nach B bringen, Mahlzeiten ausliefern oder Fahrzeuge überführen, es gibt viele Möglichkeiten, mit Autofahren Geld zu verdienen.
Doch nicht jeder Fahrjob ist gleich. Während für manche Tätigkeiten ein Personenbeförderungsschein oder sogar ein Taxischein zwingend notwendig ist, kommst du bei anderen ganz ohne aus. In diesem Artikel bekommst du einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Fahrjobs, ihre Voraussetzungen, Chancen und Herausforderungen.
Personenbeförderung oder andere Fahrjobs, der wichtige Unterschied
Grundsätzlich lassen sich Fahrjobs in zwei Kategorien einteilen:
- Fahrjobs mit Personenbeförderung
- Fahrjobs ohne Personenbeförderung
Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn sobald du gewerblich Menschen beförderst, benötigst du einen Führerschein zur Fahrgastbeförderung, auch Personenbeförderungsschein genannt.
Der Personenbeförderungsschein: Voraussetzungen, Aufwand und Kosten
Wer gewerblich Personen transportieren möchte, zum Beispiel als Taxi- oder Behindertenfahrer:in, kommt um den Personenbeförderungsschein nicht herum. Die Beantragung ist mit organisatorischem und zeitlichem Aufwandverbunden und kostet je nach Stadt etwa 300 bis 500 Euro.
Für den Antrag werden in der Regel benötigt:
- ein gültiger Führerschein
- ein Personalausweis
- ein augenärztliches Gutachten
- ein Gesundheitszeugnis
- eine ärztliche Bescheinigung über die geistige und körperliche Eignung
- ein Führungszeugnis
- ein Auszug aus dem Verkehrszentralregister
- bei Antragsteller:innen ab 60 Jahren zusätzlich alle fünf Jahre ein leistungspsychologisches Gutachten
- für Taxifahrer:innen außerdem ein Ortskenntnisnachweis (Taxischein)
Bevor du diesen Aufwand betreibst und Geld investierst, solltest du unbedingt einen konkreten Job in Aussicht haben. Ideal ist es, wenn der Arbeitgeber die Kosten ganz oder teilweise übernimmt. Außerdem lohnt sich der Personenbeförderungsschein vor allem dann, wenn du den Job längerfristig ausüben möchtest.
Fahrjobs mit Personenbeförderungschein
Taxifahrer:in, abwechslungsreich, kommunikativ und gefragt
Vor allem in Großstädten werden ständig Taxifahrer:innen gesucht. Wer bereit ist, nachts sowie an Wochenenden zu arbeiten, hat sehr gute Chancen auf eine Anstellung.
Neben sicherem Fahrstil solltest du:
- kommunikativ sein
- mit ganz unterschiedlichen Menschen zurechtkommen
- auch in stressigen Situationen ruhig bleiben
Der Job bietet viele interessante Begegnungen, spannende Einblicke und oft bekommst du im Laufe der Zeit auch Stammgäste. Zusätzlich gibt es häufig Trinkgelder, die den Verdienst aufbessern.
Natürlich hat der Beruf auch Schattenseiten: Besonders bei Nachtfahrten kann es zu unangenehmen Situationen mit betrunkenen Fahrgästen kommen, und leider hört man immer wieder von Überfällen.
Taxiunternehmen in deiner Nähe findest du ganz einfach über eine Internetrecherche.
Zwei Buchtipps:
Das Buch 52 geniale Ideen für Taxifahrer* von Lina Münch ist dein Begleiter, um den Alltag hinter dem Steuer in ein Erlebnis voller Inspiration und neuer Möglichkeiten zu verwandeln.
Skurrile Erlebnisse eines Taxifahrers findest du in dem Buch »Kann ich den Typen nicht hier im Taxi lassen?«: Vom vergessenen Kind bis zum stornierten Toten. Kuriose Erlebnisse eines Taxifahrers* von Thorsten Amrhein.
Uber
Neben klassischen Taxis gibt es mittlerweile auch Dienste wie Uber, die in vielen deutschen Städten aktiv sind. Als Uber-Fahrer:in beförderst du Fahrgäste, die ihre Fahrt über eine App buchen. Die Abrechnung erfolgt digital, Trinkgelder sind ebenfalls möglich.
Wichtig zu wissen: In Deutschland unterliegt Uber strengen gesetzlichen Regelungen. In der Regel benötigst du:
- einen Personenbeförderungsschein
- ein entsprechend zugelassenes Fahrzeug
- und häufig die Anbindung an ein Mietwagenunternehmen mit Konzession
Viele Fahrer:innen arbeiten daher nicht privat, sondern über ein Unternehmen, der Fahrzeuge, Versicherung und Genehmigungen stellt. Das kann den Einstieg erleichtern, da man sich nicht selbst um alle Formalitäten kümmern muss.
Der große Vorteil von Uber liegt in der flexiblen Arbeitszeit und der digitalen Organisation. Allerdings sollte man die Vergütung genau prüfen, da sie je nach Stadt, Nachfrage und Anbieter schwanken kann.
Fahrdienst für Menschen mit Behinderung
Behindertenfahrdienste bringen Menschen mit Behinderungen unter anderem:
- zur Schule oder Arbeit
- zur Ausbildungsstätte
- zu Arztterminen oder Kuren
- zu Veranstaltungen
Auch für diese Tätigkeit ist ein Personenbeförderungsschein erforderlich.
Anbieter sind häufig Wohlfahrtsverbände wie:
- Johanniter
- ASB
- Malteser
- DRK
Daneben gibt es zahlreiche private Anbieter, die du mit Suchbegriffen wie Behindertenfahrdienst, Behindertentransportoder betreuter Fahrdienst leicht findest.
Dieser Job erfordert Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein, bietet dafür aber eine sehr sinnstiftende Tätigkeit.
Chauffeur- und Shuttle-Services
Zum Beispiel für Hotels, Firmen, Messen oder Flughäfen. Diese Jobs setzen meist ein gepflegtes Auftreten, Zuverlässigkeit und häufig ebenfalls einen Personenbeförderungsschein voraus.
Drei Anbieter sind zum Beispiel:
Mit etwas Recherche im Internet wirst du aber viele weitere finden.
Fahrjobs ohne Personenbeförderungsschein
Essen auf Rädern
Gebrechliche Menschen, die ihre Einkäufe oder das Kochen nicht mehr selbst bewältigen können, lassen sich häufig Essen auf Rädern liefern. Auch Kitas und andere Einrichtungen werden von Menüdiensten beliefert.
Das Essen wird in Großküchen zubereitet und anschließend an die Kund:innen ausgeliefert.
Typisch für diesen Bereich:
- meist Mini-Jobs
- Arbeitszeiten vormittags bis mittags
- häufig Einsätze an Wochenenden und Feiertagen
Wer bereit ist, an diesen Tagen zu arbeiten, hat deutlich bessere Chancen auf einen Job.
Tipp: Ein hilfreiches Infoportal mit bundesweiten Adressen findest du unter www.essenaufraedern.de
Bei deiner Recherche stößt du auch auf Stellenangebote mit Bezeichnungen wie:
- Menüfahrer:in
- Essensauslieferer:in
- Menübote
- Auslieferungsfahrer:in
Die Jobchancen sind insgesamt gut, abhängig von deiner Region.
Fahrzeugüberführer:in
Als Fahrzeugüberführer:in bringst du:
- Kundenfahrzeuge an den gewünschten Ort
- Mietwagen dorthin, wo sie gebraucht werden
- Fahrzeuge innerhalb einer Stadt, deutschlandweit oder sogar international
Die An- und Rückreise erfolgt in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei der Fahrzeugübergabe werden:
- vorhandene Schäden geprüft und protokolliert
- Fahrzeuge gegebenenfalls gereinigt (wenn vereinbart)
Die Bezahlung kann:
- pro Stunde
- nach Wegstrecke
- oder pauschal erfolgen
Einige Unternehmen setzen voraus, dass du selbstständig arbeitestund ein Gewerbe anmeldest. Dabei solltest du unbedingt bedenken:
- Steuern
- Krankenkassenbeiträge
- Versicherungen
- und weitere Kosten gehen von deinen Einnahmen ab
Ganz wichtig: Vorab klären, wer bei einem Unfall die Kosten trägt. Eine gründliche Kalkulation ist unerlässlich, um zu entscheiden, ob sich diese Tätigkeit für dich lohnt.
Mögliche Auftraggeber sind:
- Autovermietungen
- Autohäuser
- Leasingunternehmen
- spezialisierte Fahrzeugüberführungsfirmen
Bekannte Autovermieter sind zum Beispiel Avis, Europcar, Hertz oder SIXT.
Zum Zeitpunkt der Recherche gab es unter anderem Stellenangebote bei:
- CAR24 (deutschlandweite Fahrzeugtransfers)
- Autotransfer24 GmbH & Co. KG (nationale und internationale Überführungen)
Weitere Fahrjobs
Kurier- und Botenfahrten
Kurierdienste transportieren Dokumente, Pakete oder Medikamente, oft zeitkritisch. Je nach Auftraggeber ist dafür kein Personenbeförderungsschein erforderlich. Gearbeitet wird häufig selbstständig oder auf Minijob-Basis. Such einfach im Internet nach Dienstleistern bei dir vor Ort.
Apotheken- und Medikamentenlieferdienste
Viele Apotheken bieten einen Lieferservice an, besonders für ältere oder erkrankte Menschen. Die Fahrten finden meist tagsüber statt und sind gut planbar. Frag einfach in den Apotheken in deiner Nähe nach.
Einkaufs- und Lieferservices
Neben Essen werden auch Lebensmittel oder andere Einkäufe ausgeliefert, entweder für Privatpersonen oder im Auftrag von Dienstleistern. Die Einsatzzeiten sind oft flexibel. Schau einfach nach Anbietern in deiner Region und frag dort nach.
Fazit: Fahrjobs bieten mehr Möglichkeiten, als du denkst
Egal, ob du gern mit Menschen arbeitest oder lieber allein unterwegs bist, Fahrjobs sind vielseitig, flexibel und oft leichter zugänglich, als man denkt. Wichtig ist, dass du dir im Vorfeld klar machst:
- welche Voraussetzungen nötig sind
- wie viel Zeit und Geld du investieren möchtest
- und welche Art von Arbeit zu dir passt
Wenn du das Autofahren liebst und bereit bist, Verantwortung zu übernehmen, kann ein Fahrjob nicht nur eine Einnahmequelle sein, sondern auch Abwechslung, Begegnungen und neue Perspektiven in deinen Alltag bringen. Manchmal beginnt ein neuer Weg genau dort, wo du den Motor startest.
Tipp: Wenn du dir zusätzlich dazu oder stattdessen ein eigenes Online-Business aufbauen möchtest, aber nicht bei null anfangen willst, könnte auch dieser Blogartikel interessant für dich sein.
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