Freiwillige gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige.

Wer sich selbstständig macht, muss sich frühzeitig mit der eigenen Krankenversicherung beschäftigen. Anders als Angestellte sind Selbstständige nicht automatisch pflichtversichert, sie können sich entweder privat oder freiwillig gesetzlich versichern. Die freiwillige freiwillige gesetzliche Krankenversicherung verbindet den Schutz des solidarischen Systems mit einkommensabhängigen Beiträgen und bietet gerade in bestimmten Lebensphasen deutliche Vorteile.

Was bedeutet freiwillige gesetzliche Krankenversicherung?

Die Bezeichnung „freiwillig“ führt häufig zu Missverständnissen. Gemeint ist damit nicht, dass Krankenversicherung freiwillig wäre, da in Deutschland Versicherungspflicht besteht. Der Begriff beschreibt vielmehr die Form der Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse für Personen, die nicht automatisch pflichtversichert sind, was viele Selbstständige betrifft. Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse bleiben oder werden.

Wie werden die Beiträge berechnet?

Für freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige richtet sich die Beitragshöhe in der Regel nach dem Einkommen bzw. dem Gewinn. Dabei werden nicht nur Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit betrachtet, sondern auch weitere Einnahmen wie Vermietung oder Kapitalerträge.

Allerdings gibt es eine Mindestbemessungsgrundlage, die regelmäßig angepasst wird. Das bedeutet, dass die Krankenkasse bei der Beitragsberechnung von einem gesetzlich festgelegten Mindesteinkommen ausgeht, und zwar auch dann, wenn dein tatsächliches Einkommen deutlich darunter liegt.

Als Grundlage der Beitragsberechnung dient der aktuelle Steuerbescheid, den du immer bei der Krankenkasse einreichen musst. Dafür hast du zwar in der Regel bis zu drei Jahren Zeit, aber es liegt in deinem eigenen Interesse, das immer möglichst zeitnah zu machen, damit eventuelle Nachzahlungen oder Rückzahlungen und die neuen Beitragshöhe berechnet werden können und hier keine hohen Summen auflaufen.

Seit 2018 wird die Höhe des Beitrages für freiwillig gesetzlich Versicherte nämlich nur noch vorläufig berechnet und erst bei Übersendung des Steuerbescheides für das entsprechende Jahr endgültig festgelegt.Das solltest du unbedingt im Blick haben, damit du nicht plötzlich von hohen Nachzahlungsforderungen der Krankenkasse überrascht wirst.

Achtung: Reichst du den Steuerbescheid zu spät oder gar nicht ein, kann die Krankenkasse Beiträge auf Basis der maximalen beitragspflichtigen Einnahmen festsetzen, was dann zum Höchstbeitrag in der Kranken- und Pflegeversicherung führt.

Zusätzlich zum regulären Krankenversicherungsbeitrag kommt in der Regel ein kassenindividueller Zusatzbeitrag hinzu. Auch die Pflegeversicherung muss berücksichtigt werden.

Warum entscheiden sich viele Selbstständige für die GKV?

Ein wesentlicher Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung liegt darin, dass keine Gesundheitsprüfung stattfindet. Hinzu kommt, dass sich die Beiträge am Einkommen orientieren, wobei natürlich die Mindestbemessungsgrundlage nichtsdestotrotz greift. Wer in einer schwächeren Geschäftsphase weniger verdient, zahlt in vielen Fällen auch weniger als bei konstant kalkulierten privaten Tarifen. Viele Selbstständige schätzen außerdem die Stabilität des gesetzlichen Systems und den klar geregelten Leistungskatalog.

Welche Nachteile gibt es?

Trotz ihrer Vorteile ist die freiwillige GKV nicht für jede Person automatisch die günstigste Lösung. Wer dauerhaft hohe Einnahmen erzielt, zahlt dementsprechend höhere Beiträge, das kann die Belastung im Vergleich zur privaten Krankenversicherung erhöhen. Auch unregelmäßige Einkünfte können herausfordernd sein. Wenn das tatsächliche Einkommen höher ausfällt als zunächst angenommen, drohen womöglich hohe Nachzahlungen. Für Selbstständige mit stark schwankenden Umsätzen sind deshalb eine gute finanzielle Planung und die Bildung von Rücklagen besonders wichtig.

Nebenberuflich selbstständig

Viele starten zunächst nebenberuflich in die Selbstständigkeit. In diesem Fall besteht häufig weiterhin Versicherungsschutz über eine Hauptbeschäftigung, über Arbeitslosengeld oder über die beitragsfreie Familienmitversicherung. Entscheidend ist jedoch, dass deine Selbstständigkeit tatsächlich als nebenberuflich eingestuft wird. Das ist meist dann der Fall, wenn sie weniger Zeit in Anspruch nimmt als dein Hauptjob und die Einkünfte daraus deutlich geringer sind als dein Gehalt. Wird deine Selbstständigkeit jedoch umfangreicher oder wirtschaftlich bedeutender, kann sie als hauptberuflich gelten, dann endet häufig der bisherige Status und du musst dich selbst versichern.

Tipp: Gerade bei Teilzeitstellen kommt es dabei immer wieder zu Unsicherheiten. Einige Krankenkassen prüfen hier besonders genau, wo der tatsächliche Schwerpunkt deiner Erwerbstätigkeit liegt, deshalb solltest du vor dem Start unbedingt direkt mit deiner Krankenkasse sprechen.

Diskussion um die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartner:innen

Ein in den Medien diskutiertes Thema ist derzeit die sogenannte beitragsfreie Mitversicherung. Bislang können Ehepartner:innen unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert werden, wenn sie nur ein geringes oder gar kein eigenes Einkommen haben. Genau dieses Modell steht aktuell politisch zur Debatte, es ist geplant, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartner:innen einzuschränken oder teilweise abzuschaffen, während die Absicherung von Kindern erhalten bleiben soll. Konkrete gesetzliche Änderungen gibt es bislang nicht, doch die Diskussion zeigt, dass bestehende Regelungen nicht unveränderlich sind.

Für Selbstständige im Nebenwerb mit geringen Einnahmen, die sich vorher über den Ehepartner bzw. die Ehepartnerin beitragsfrei versichern konnten, kann das erhebliche Mehrkosten bedeuten. Wer heute seine Krankenversicherung plant, sollte diese mögliche Entwicklung mit bedenken.

GKV oder private Krankenversicherung?

Ob die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung oder die private Krankenversicherung besser passt, hängt stark von der persönlichen Situation ab. Wer Familie plant, schwankende Einnahmen hat oder Wert auf langfristige Stabilität legt, entscheidet sich häufig eher für die GKV.Die PKV kann dagegen für junge, gesunde Selbstständige mit hohem Einkommen attraktiv erscheinen. Allerdings sollten dabei auch steigende Beiträge im Alter sowie individuelle Lebensveränderungen berücksichtigt werden.

Was du vor der Gründung klären solltest

Bevor du startest, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf einige zentrale Fragen: Wie hoch werden deine voraussichtlichen Einnahmen sein? Startest du haupt- oder nebenberuflich? Welche monatlichen Fixkosten kannst du tragen? Und wie wichtig ist dir langfristige Planungssicherheit? Zusätzlich empfiehlt es sich auf jeden Fall, frühzeitig mit deiner Krankenkasse zu sprechen, so bekommst du Klarheit über Beiträge, Meldepflichten und mögliche Veränderungen bei steigendem Einkommen.

Fazit

Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung ist für viele Selbstständige eine sinnvolle und verlässliche Lösung. Sie bietet Schutz ohne Gesundheitsprüfung, einkommensabhängige Beiträge und ein stabiles Sicherungssystem. Gleichzeitig verändern aktuelle politische Diskussionen die Rahmenbedingungen. Besonders die Debatte um die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartner:innen könnte künftig viele Selbstständige im Nebenerwerb betreffen. Wer eine Gründung plant, sollte deshalb nicht nur die aktuelle Situation betrachten, sondern auch mögliche Entwicklungen der kommenden Jahre im Blick behalten.

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